Nachlese: Ein Hauch von Bundesliga weht über Mittelsachsen

Ein Hauch von Bundesliga weht über Mittelsachsen

„Bundesliga? – Ja, Bundesliga!“ Dem KVF Mittelsachsen gelang es mit der Unterstützung von Jürg Ehrt den Spitzenschiedsrichter Harm Osmers zu einem Vortrag in Flöha einzuladen.

Harm Osmers (31) aus Hannover war der erste Schiedsrichter aus dem „deutschen Oberhaus“, der im Kreisverband Mittelsachsen einen Vortrag hielt. Es folgten über 100 Sportfreunde der Einladung in die Oberschule Flöha-Plaue. Den mittelsächsischen Schiedsrichtern wurde der Vortrag als Lehrabend angerechnet. Für die Mitglieder der Coachinggruppe und des B-Kaders galt der Abend als Coachinggruppenstützpunkt. Die jungen und talentierten Schiedsrichter hatten die Möglichkeit in kleiner Runde alle Fragen an Harm loszuwerden. Der offene, freundliche und bodenständige Referee gab Tipps, erzählte Anekdoten aus seiner Karriere und gab Einblicke, die er sonst nicht in der Öffentlichkeit publizieren würde. Das war für die Fördergruppen ein besonderer Moment in ihrer jungen Karriere.

Im Vortrag ging Harm Osmers zunächst auf die Entwicklung der Anforderungen eines Bundesligaschiedsrichters heutzutage im Gegensatz zu 1970 ein. Der Fußball ist viel schneller und technisch versierter (spielorientierter) geworden. Deshalb sind die Anforderungen an einen Schiedsrichter vor allem im Bereich Fitness extrem gestiegen. Früher langte es im Spiel drei Kilometer zu laufen, heute sind es durchschnittlich zwölf Kilometer, die ein Schiedsrichter in der Bundesliga läuft.
Dazu kommen die wirtschaftlichen Aspekte. In der Champions League werden beispielsweise dieses Jahr fast eine Milliarde Euro ausgespielt. Jeder Fehler des Schiedsrichters wird heutzutage von sehr vielen Kameras in den unterschiedlichsten Perspektiven aufgenommen. Früher gab es noch nicht die Fülle an Medien, die jedes Spiel bis ins Detail analysieren konnten.
Deshalb sucht man nach Hilfsmitteln, die dieser Entwicklung entgegenwirken. Beispiele wären das „Head-Set“, die Torrichter oder das „Hawk Eye“. Diese sollen den Schiedsrichter in seiner Entscheidungsfindung unterstützen. Zurzeit testet die UEFA und der DFB ein weiteres Hilfsmittel – den Videoschiedsrichter. Er kam bereits im Länderspiel Italien gegen Deutschland zum Einsatz und wird beim deutschen Fußball-Bund an jedem Bundesligaspieltag in Köln getestet.

Über den Videoschiedsrichter referierte Harm ausführlich. Höchstwahrscheinlich wird er in naher Zukunft als weiteres Hilfsmittel in den Spielbetrieb integriert werden. Da viele Sportfreunde wenig über diese Testphase wussten, zog Harm alle Anwesenden in den Bann. Ganz besonders spannend wurden die Videoszenen von Harms Spielleitungen angeschaut. Mit diesen wollte er verdeutlichen, dass der Videoschiedsrichter (spielentscheidende) Fehlentscheidungen dezimieren könnte.

Er hat direkte Verbindung zum Schiedsrichter. Zum Einsatz kommt er bei kniffligen Situationen. Beispielsweise wenn der Schiedsrichter sich fragt: „Strafstoß durch Hand- bzw. Foulspiel?“, „Notbremse (Rote Karte), hätte noch ein Spieler eingreifen können (gelbe Karte)?“ oder „Tätlichkeit / unsportliches Betragen?“

Man erhofft sich durch den Videoschiedsrichter zukünftig in diesen Situationen Klarheit, da er sofort auf vielen Bildschirmen unterschiedliche Perspektiven sieht und dem Schiedsrichter die notwendige Information durchsagen kann.

Ein großer Dank geht an Jürg Ehrt, der den Abend zusammen mit Christian Schlömann ermöglichte. Nur durch seinen Kontakt zu Harm konnte ein Hauch von Bundesliga über Mittelsachsen wehen.  (Paul Schmieder)